Asthma in Aljezur

Das Bett war alt und das Asthma brachte mich um den Verstand. Hausstaubmilben sind mein größter Feind, ich bin ihnen ausgeliefert. Jeder Atemzug endet, bevor er zu Ende geführt ist. Es gibt eine Wegstrecke, die nur der Kranke kennt, für den Gesunden bleibt sie unsichtbar. Er schreitet mühelos über die Schwelle und bemerkt sie nicht.

Für mich, den Kranken in der Villa Maracuja in Aljezur, führte sie die Treppen hinab im Dunkel der Nacht ins Dunkel der Nacht. Ich durchschritt die Küche, zwei Türen und die Müdigkeit des unterbrochenen Schlafs ins Freie. Die Mondscheibe spiegelte im Wasser des Pools. Zögerlich entschied ich mich für einen der Liegestühle aus Plastik und trug ihn ins Zimmer nach oben, durch die Küche, zwei Türen und die enge Treppe hinauf. Zweimal schlug ich mit der Liege dabei gegen die Wände und die Stille trug das Geräusch in alle Richtungen und in die Zimmer der anderen und mich zurück an den zwielichtigen Ort zwischen dem Ozean des Bewusstseins und dem Nichts. Hier musste ich warten, also legte ich mich auf das harte, aber milbenfreie Plastik, deckte mich zu und wartete bis die Wegstrecke kürzer wurde, die Atemzüge länger und ich über die Schwelle in den Schlaf glitt.

Nichts ist umsonst. Am nächsten Morgen schmerzte mein Rücken und mein Arm war taub. Auf einer schmalen Liege sind die Möglichkeiten umso schmaler. Das ist die Ungerechtigkeit, die dem Kranken doppelt widerfährt. Aber es gibt einen Mechanismus in der Welt, der grausam und schützend zugleich ist: die Höhe des Gegensatzes. Er ist die Umkehrung der Gewöhnung und umgekehrt proportional zur Vorhersehbarkeit.

Die Höhe des Gegensatz in Aljezur in Portugal war die des Morgens und der Nacht, in etwa ein Stockwerk hoch und reichte von der sich kräuselnden Oberfläche des Wassers im Pool bis hinauf zum Haaransatz und wurde von dort vom Wind bis zum Meer getragen. Aber er war dort nicht zu Ende. Er war auch in den Sträuchern und in der braunen Erde genauso wie im feinen Sand des Strands von Monte Clérigo und in den Wellen, als wir die Surfboards zum Wasser trugen. Er war im Hochgefühl der Bewegung auf den Wellen und in den Farben der Häuser, die sich an den Hang schmiegten. In einem dieser Häuser lag das O Sargo, ein kleines Restaurant mit einer Terrasse aus Holzbohlen und wenigen hölzernen Tischen, über die sich Sonnenschirme aus Stoff spannten im Weiß der sich brechenden Wellen. Die Bolognese-Sauce lassen sie dort einige Stunden lang köcheln und selten konnte sie je so gut schmecken wie nach diesem Morgen im Wasser. Doch auch hier fand der Gegensatz sein Ende noch nicht.

Er war im Flug der Möwe vor den rotbraunen Klippen am westlichsten Punkt des europäischen Festlands, in den Farben des Sonnenuntergangs und den Eiswürfeln der Coca Cola am Strand von Beliche, wo am Ende der Treppen eine kleine Bar an die schroffe Küste gebaut war. Als wir dort vorüber kamen, feuerte der Koch gerade die Kohlen des Grills an. In einer Kühlbox lagen die frisch gefangenen Fische auf Eis und die Schuppen glitzerten in der Abendsonne. Der Gegensatz reichte bis zum Horizont, an dem eben jene Abendsonne ins Wasser hinab sank und bis nach Afrika und Amerika.

Places to be in der Gegend von Aljezur, Portugal

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