Ich zog meine besten Kleider an und sah den Tanz der Geishas. Zur selben Zeit goß ein Küchenjunge einige Straßen weiter das Abwasser auf die Straße. – In London warfen Jugendliche mit Steinen nach einer Katze und hörten erst auf, als sich das Tier nicht mehr regte. Mit zertrümmerten Gliedern lag sie am Straßenrand, bereits vergessen, als das Lachen der Halbstarken verhallte. – In Deutschland schleuderten Heranwachsende an einem Tümpel am Stadtrand Frösche gegen eine Steinwand. Sie prallten von dort ab und blieben leblos liegen. Die Jugendlichen verstanden den Rausch der Macht nicht, der sie ergriff. Immer mehr Frösche lagen tot am Fuße der Mauer lagen. – Im Halbdunkel eines kleinen Hauses am Rande eines ganz durchschnittlichen Ortes in der Nähe von Budapest – nur wenig Licht fiel durch die hölzernen Fensterläden – saß ein Mädchen auf einer Matratze mit angezogenen Beinen und fand keine Antworten auf ihre Fragen. Lange braune Haare fielen ungeordnet von ihren Schultern. – Er mochte den Klang des Namens so sehr. Ein Junge saß im Schneidersitz auf dem Boden seines Zimmers und fragte sich, was Magyar Posta für ein geheimnisvolles Land sein mochte, während er Briefmarken ablöste und in ein Album sortierte nach einem ganz eigenen System, in dem Farben, Form und Größe eine Rolle spielten und Harmonie suchten. – Wieder in Deutschland warf ein Geschäftsmann das mitgebrachte Mittagessen in den Mülleimer und ging auf die Straße, um dort zu essen. Er bemerkte die Passanten, an denen er vorüberging nur scheinbar. Abends ging er müde nach Hause und dachte nur scheinbar an irgendetwas, während in der ein Stockwerk höher gelegenen Wohnung die Saite einer Gitarre unter den neugierigen Augen eines alten Mannes aufhörte zu schwingen. Er seufzte, nahm die Lupe herunter, stand kopfschüttelnd auf und ging ziellos ins nächste Zimmer, stand dort unschlüssig, ging zurück, setzte sich auf den Stuhl und schaute noch einmal durch die Lupe nach der Saite. Darüber vergaß er seine Gedanken. – Der Geschäftsmann fiel auf dem Sofa in einen unruhigen Schlaf. Bald schon wieder Aufstehen muss ich. So früh. Jeden Tag die gleiche Arbeit! Wofür ist das alles gut? Was könnte ich nur anderes tun? Aber es führt ja zu nichts. Die Wohnung, die Versicherungen, der Zahnarzt, alle senden sie Rechnungen. Wer will sie schon für mich zahlen? Was könnte ich nicht alles anderes tun? Es führt ja zu nichts! – Aus Ungarn kommen diese Briefmarken also. (So klingt es nicht so schön.) Wie es dort wohl aussieht? Sicher gibt es Wälder, und Wiesen, und ein Bach zieht neben dem großen Wallnussbaum vorüber. Das Läuten der Klingel riß ihn aus den Gedanken. Vielleicht kommt da Besuch? Wir könnten… – Wo bleibst Du nur Kind? Stimmt etwas nicht? Hier, iß etwas. Das Mädchen aß mit hängenden Armen. Der Vater erzählte von den Geschehnissen des Tages, beschwerte sich über Kiss, der wieder nicht fertig geworden war mit den Leisten. Es ist kein Verlass auf Géza, immer sagt er, bis morgen sei er fertig. Und dann: Nichts! Es fällt ihm noch diese Besorgung ein und jene, und die Einladung bei Nagy. Er ist unverbesserlich. Aber die Leisten sind gut, wenn er sie dann fertig hat. Dabei spielte ein Lachen um seine Augen und der graue Bart hüpfte auf und ab, während er kaute. Für einen kurzen Moment vergaß das Mädchen die Einsamkeit. – Einer der Jungen war am Abend ganz still. Es ist nichts. Nein, es ist alles in Ordnung. Die Mutter schaute besorgt zu ihm herüber, doch sagte nichts weiter. Nach dem Essen ging er auf sein Zimmer und schaute lange aus dem Fenster, bis es draußen dunkel geworden war. Von unten drangen die Geräusche des Fernsehers nach oben. Er legte sich schließlich ins Bett und warf sich noch lange hin und her. – Auf dem Tsukiji-Fischmarkt in Tokyo versteigerten sie den Thunfisch wie eh und je. In nicht allzu ferner Zukunft verkauften sie den letzten Blauflossen-Thunfisch zu einem lächerlich Preis. – Ein Junge in England weinte sich in den Schlaf. Ein anderer saß ganz stoisch bis tief in die Nacht an seiner Konsole. – Ich ging parallel des Flusses und dachte über die Stille nach. Immer nach Süden, die zweite Brücke, dann werde ich den Weg nicht verfehlen. Unterwegs esse ich noch, kurz vor der Brücke gibt es das Restaurant. Es ist still, wenn man alleine unterwegs ist.

Kein Lärm.

 

Kyoto, Japan

  • Ein Spaziergang durch die Stille des Arashiyama Bambuswald am Abend, wenn die Touristen weniger werden
  • Ein Besuch in einem der Tempel der Stadt und ihren Gärten, zum Beispiel im Kinkaku-ji, dem goldenen Tempel oder dem Ginkaku-ji, dem silbernen Tempel.
  • Eine Schüssel Reis mit Rindfleisch und einem rohen Ei am Mittag in einem Sukiya-Restaurant, einer Fastfood-Kette in Japan und dampfende Nudelsuppe in einer der kleinen, lokalen Ramen-Küchen am späten Abend
  • Ohne Ziel am Fluss entlang und durch die kleinen Gassen der Stadt wandern