Landschaften aus einem amerikanischen Traum in Italien

Italien, 40° 11′ N, 16° 26′ O

Als das Ortsschild von Colobraro am Straßenrand auftauchte und vorüberzog, waren wir uns sicher, in einen surrealen, amerikanischen Traum geraten zu sein. Unser Kopf hatte nur wenige Buchstaben vertauscht und abertausende Kilometer, sonst aber war alles richtig. Eine karge Landschaft flog vorüber. Einzelne Sträucher wogten blaugrün schimmernden Farbflecken gleich durch eine zerklüftete, terrakottafarbene Landschaft. Eine einsame Straße wand sich durch den Staub. Als das Auto und der Blick langsam eine lang gezogenen Kurve um einen Felsen  krochen, schimmerte ein gewaltiger Stausee in einem düsteren und zugleich sonderbar hellem Türkisblau am anderen Ende der Leitplanken, so weit das Auge reichte. Vereinzelte Bäume verschwammen zwischen dem Wasser und dem Asphalt in der Bewegung. Nur selten kam uns ein anderer Wagen entgegen, in einiger Entfernung vor uns bewegte sich eine Kolonne aus Geländewagen der Carabinieri in Richtung Horizont. Dunkle Tunnel gruben sich durch die aufragenden Felsformationen und wir schoben uns in Zeitlupentempo durch die Tunnel und die Kurven. Eine einzelne Tankstelle tauchte hinter der nächsten Wegbiegung auf und die gelbe und rote Leuchtreklame hob sich vor einem hohen Berg ab, auf den gerade noch einige Sonnenstrahlen gefallen waren durch die dunklen Wolken, die sich hinter uns auftürmten. Eine Stadt, die gerade noch nicht zu sehen war, schmiegte sich an die Berghänge und war gleich wieder verschwunden. Große Rohre verliefen vom Stausee aus parallel zur Straße, Stein und Sand waren vom Wind über Jahrtausende zu bizarren Formen geformt worden. Eine Kiesgrube mit verrosteten Kränen lag am Straßenrand und schlief, und unter einem einzelnen Baum, der da ausharrte, grasten Schafe und Ziegen und suchten nach den letzten Grashalmen im Staub. Sobald wir ausstiegen, legte sich ein feine Schicht aus Sand über die Füße in den Sandalen. Dazu spielte ein Soundtrack für die Gegend um Colobraro in Italien im Radio und grüßte die vereinzelten Wellblechhütten in der Ferne.

Soundtrack für die Gegend um Colobraro in Italien

  • Brian Enos in die Dunkelheit herabsinkende Stimme aus Dead Finks Don’t Talk, ohne die klirrenden, mit Kopfstimme gesungenen Passagen
  • Bruce Springsteen zeichnet mit Lift Me Up die Konturen des Himmels
  • Joy Divisions Atmosphere verdunkelt den Horizont wie die Gewitterwolken in unseren Rücken
  • Die urtümliche, gewaltige Kraft des Windes und des Regens in der zerklüfteten Landschaft ist Burn My Shadow von UNKLE
  • Dirty Three’s Moon On The Land sind der Sand und die Steine und die Geborgenheit in der Weite

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*