Rom, Italien, 41° 53′ N12° 29′ O 

Rom sehen und sterben. Die Stadt, die so selten auf unserer persönlichen Landkarte, unserer Wunschliste aufgetaucht war, hinterließ am Ende Eindruck für ein ganzes Leben bei uns. Ob sie deshalb in Wirklichkeit die ewige Stadt genannt wird? Weil Du dich für immer an ihren warmen Glanz, ihre Erhabenheit und von innen wärmenden Momente erinnern wirst? Wie Du durch die Gassen gehst und vor Glück trunken wirst vom warmen, goldenen Schimmer, in den das Licht die Häuser taucht. Wie Du von einer Ecke auf den nächsten Platz fällst, geblendet vom Marmor eines Springbrunnens und nicht anders kannst, als dich an den Auslagen der Lebensmittelläden hungrig zu sehen, um dann Köstlichkeiten in Tüten herauszutragen. Wie Du an einem kleinen Tisch auf den kopfsteingepflasterten Sträßchen Platz nimmst und dich an Espresso und Cornetti, Pizza und Käse gütlich tust.

Paris und London, Berlin und Wien. Warum nicht Rom? Warum sind wir nicht früher darauf gekommen? Am Ende musste der Zufall uns die Stadt in die Hände spielen und was wären wir gerne geblieben. Vielleicht müssen wir wieder kommen, dann, wenn unsere Taschen nicht nur mit Träumen, sondern auch mit Geld gefüllt sind. Als ob dieser Tag kommen würde. Zurück in die Gegenwart, wo die geflügelten Träume uns durch die Straßen treiben, wo schon seit Jahrtausenden Menschen die Füße auf den Boden gesetzt haben. Wir fühlen eine Dichte bei jedem Schritt, das Klacken tausender Schritte durch tausende Jahre begleitet uns auf den Streifzügen.

Wir sehen an diesen Tagen den Spielort des Colloseums, das ursprünglich eigentlich einmal Amphitheatrum Flavium hieß und über die Jahrhunderte den Namen einer gigantischen Herrscherstatue übernahm, die nicht mehr vorhanden ist. Wir sehen das Forum Romanum, diesen Platz zwischen den Hügeln Kapitol, Palatin und Esquilin, einst sumpfige Erde, dann Mittelpunkt des politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und religiösen Lebens. Wir steigen auf zur Villa Borghese und suchen Schutz vor der Sonne unter alten, knorrigen Bäumen und auf den schattigen Treppen des Tempels der Minerva.

Wir folgen einem Schild zur „Casa di Livia“ und sehen den Überresten eines Lebens auf dem Gipfel der Stadt und dem Gipfel dessen, was für eine Frau möglich war. Als Kind, das nie jemanden mit demselben Namen traf, ist es bemerkenswert, auf eine antike Namensvetterin zu treffen. Livia Augusta, Frau von Tiberius Claudius Nero, trifft auf einem Bankett, seinem 24. Geburtstag im Jahr 39 v. Chr., auf Octavian. Er ist sofort von ihr hingerissen. Die Begegnung hat dramatische Folgen. Er selbst möchte sie zur Frau nehmen. Die Heirat findet statt, Octavian verstößt dafür seine hochschwangere Gattin. 52 Jahre bleiben die beiden ein Paar. Eine bemerkenswert lange Zeit für eine Epoche, in der Heirat häufig als zeitlich begrenzter, vor allem politisch motivierter Zusammenschluss galt. Mit Verstand und Geschick wird sie zur mächtigen, politischen Einflussnehmerin, sichert die Thronfolge für ihre Kinder, verwaltet ihr eigenes Vermögen und erreicht einen nie da gewesen Status. Nach dem Tod ihres Mannes erhält sie den Status seiner Priesterin, eine Rolle, die bis dato noch keiner Frau zugesprochen worden war. Nach ihrem eigenen Tod wird sie zur Göttin erhoben, auch das ein Novum in der Geschichte. Wenig ist häufig übrig von Frauen in der Geschichtsschreibung. Verschwindend im Schatten ihrer Ehemänner und Väter, Herrscher und manchmal auch Peiniger, fehlen die Zeugnisse großer Denkerinnen und kluger Entscheiderinnen. Auf dem Palatin stehend, wo einst Livia die Fäden ihrer eigenen Geschichte in Händen hielt, schließt sich für einen Augenblick eine der vielen Lücken in der Geschichte.

Wir gehen weiter, essen am Abend Pizza am Platz der Rosen und sind dabei zwei von vielen. Zum Abschluss besuchen wir den Vatikan und sind wieder dem Zufall dankbar, der uns dieses Mal kurz vor Schluss in den Petersdom hinein spült. Die Schlange existiert quasi nicht und so taumeln wir den Pforten entgegen. Was wir dann sehen, ist schwer zu beschreiben. Es muss abertausende Abhandlungen geben. Erklärungen und Einschätzungen. Für uns ist es ein Reichtum und eine Ballung an Eindrücken. Der Lichteinfall, der Marmor, die Malereien. Der Hochalter, der übermenschlich erhaben steht und die schier nicht enden wollende Größe, die uns die Köpfe nach oben recken lässt. Als wir wieder nach Draußen treten, haben wir die Zeit längst vergessen und hinter uns gelassen. Roms Herz pocht in einem eigenen Takt. Menschenminuten spielen keine große Rolle für eine Stadt, der die Ewigkeit den Hof macht.

Am nächsten Tag fahren wir ab. Rom, du Ewige. Como in cielo cosi in terra. Hier haben wir auf eine Art angefangen daran zu glauben.

Bevor man das nicht gemacht hat, kann man Rom nicht wieder verlassen

  • Ein Besuch im Petersdom: Uns hat noch kein Inneres eines Gebäudes so beeindruckt. Am besten geht man kurz bevor der Einlass schließt. So haben wir keine 5 Minuten gewartet. Eine Stunde vorher war die Schlange noch eine sehr, sehr lang.
  • Eine Kneipentour durch San Lorenzo und, wenn die Bar schließt, mit den übrigen Trinker*Innen  noch weiter ziehen auf einen der Plätze des Viertels. Es ist sicher auch jemand mit Gitarre dabei.
  • Kolloseum und Forum Romanum sollte man schon auch machen, wenn man das erste Mal da ist. In Berlin besucht man dann ja auch das Brandenburger Tor, den Reichstag und das Holocaust Mahnmal.
  • Am Abend durch Trastavere bummeln: Ein wunderbares Viertel mit schönen Bars und kleinen Restaurants.
  • Einmal in der Nacht mit dem Fahrrad am Tiber entlang radeln und nur knapp den wilden Hunden entkommen.

 

 

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